Nitro-News

30 Jahre Nitrosucht...

02. Aug

Hier eine kleine Geschichte, die uns Matthias Schneider, ein langjähriger Fan & Wegbegleiter der NitrOlympX zugeschickt hat:

1986 bin ich acht Jahre alt. Die Sendung „Na Sowas“ mit Thomas Gottschalk gehört Mittwochs abends zum Pflichtprogramm der Familie. An einem schicksalhaften Mittwoch ist ein Gast Names Rico Anthes mit einem Citroen 2CV auf Extasy, der Wildente, zu Gast. Das ist der Moment, in dem es mich packt. Drag Racing ist ab jetzt das große Ding. Glücklicherweise ist Rico nicht zufällig im Studio. Er promotet die erste Drag Racing Veranstaltung auf dem Hockenheimring am folgenden Wochenende. Dort ist meine Familie Stammgast bei allen möglichen Rundstreckenrennen. Die mich zwar begeistern, aber nicht völlig fesseln. Doch der kurze Clip über den schnellsten Motorsport der Welt hat meine ungeteilte Aufmerksamkeit gepackt.
Genauso passiert es dann auch am Wochenende darauf. Anders als bei den Renen die ich bis dato kenne, kann man hier alles anfassen. Mit allen Reden. Darf sich als Kind sogar mal in ein Auto setzen. Aber das Beste ist die unglaubliche Vielfalt an Fahrzeugen. Der Lärm. Der Geruch. Ein Tag, der mein Leben entscheidend verändert.

Seit 1986 habe ich keines der bisher 31 Drag Racing Events (zwei Jahre lang gab es eine zweite Veranstaltung im Mai) verpasst. Ich habe Sammy Miller gesehen der im schnellsten Fahrzeug aller Zeiten in drei Sekunden auf über 500 km/h beschleunigt. Den Umzug von der Start / Ziel Geraden auf die eigens angelegte Hockenheim, heute Rico Anthes Quatermile erlebt. Ich bin Zeuge der ersten Saturday Night Show,  bin bei der Entstehung der Pro Mod Klasse dabei,  darf sehen, wie 1997 Kent Persson in seinem Fueler die erste vierer Zeit außerhalb der USA fuhr. Zum 25 jährigen Jubiläum der NitrolympX tritt die deutsche Drag Racing Legende Heini Habermann in seiner Mafia Maus gegen seinen Enkel Dennis Habermann an. Unzählige Rekorde, spektakuläre Momente, Wheelies ohne Ende. Gespräche in den Pits, den Großen der Szene buchstäblich über die Schulter schauen. Momente die für immer im Gedächtnis bleiben. Ich habe jede Menge US-Stars getroffen und bin tief in die europäische Drag Racing Szene eingetaucht. Wer einmal in der familiären Atmosphäre der Drag Racing Gemeinschaft angekommen ist, der möchte diese auch nie wieder missen. Ich bringe jedes Jahr neue Freunde und Bekannte mit zu den NitrolympX. Und bisher ist jeder, genau wie ich, dabei geblieben. Keiner kann sich dieser Faszination entziehen.

Seit 2003 stehe ich auch beruflich, als Fotograf an der Strecke. Dafür habe ich meinen Stammplatz Fahrerlagertribüne, Zone 1, Reihe 1, Platz 1 aufgegeben. Ein Platz der über 10 Jahre für mich reserviert war. Meine Fotokarriere hat ebenfalls in Hockenheim begonnen. Ohne die NitrolympX hätte ich nie meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.  Überhaupt habe ich hier mit neun Jahren zum ersten mal selbst fotografiert. Nachdem wir 1986 gar keine Kamera mitgenommen haben, wollte ich 1987 nicht auf Bilder verzichten. Mein Vater war zu faul, also habe ich den Fotopart übernommen. Jedes Jahr werden es mehr und mehr Filme. Ausrüstung, die Entwicklung der Bilder und alles drum herum zahle ich von meinem Taschengeld. Mit großer Freude. Als dann die ersten Aufträge für Magazine kommen wird, pünktlich zu den NitrolympX 2005, die erste Profikamera fällig.

Von Hockenheim aus hat mich die Sucht nach dem Geruch von Nitro und dem Erdbeben der Motoren in die ganze Welt getrieben. England, Schweden, USA. Aber egal ob im legendären Bakersfield, bei den größten Rennen der NHRA oder sonstwo: Die Atmosphäre in Hockenheim bleibt einzigartig. Nirgends sonst auf der Welt kann man Drag Racing in einem Stadion erleben. Für Zuschauer und Fahrer ein einmaliges Erlebnis. Nirgends wird Racing so einzigartig mit Show kombiniert, wie auf dem Hockenheimring. Das zweite Wochenende im August bedeutet jedes Jahr eine Art Heimkehr. Nach 30 Jahren brennt das Feuer und die Lust nach Rennaction wie am ersten Tag.