Nitro-News

Die Sportsman – viele Klassen für sich

05. Aug

Bei sommerlichen Temperaturen versammelten sich vergangenes Wochenende die ambitionierten Hobby-Rennfahrer, um bei den Public Race Days so richtig Gas zu geben. Die besten Tuner und Fans der heissen Reifen liessen auf der Rico-Anthes-Quartermile schon einmal richtig Gummi.
Denn was auf öffentlichen Strassen tabu ist, wird auf der Viertelmeile zelebriert – die Drehzahl auf Anschlag zu bringen und das Gaspedal bis zur Bodenplatte durchdrücken. Auch die Dragster durften dieses Jahr nicht fehlen: zum Ende der Sessions testeten die schnellen „Brüder“ der Strassenfraktion die Strecke schon einmal vor und waren sehr zu zufrieden.
Diese Nachricht dürfte die europäischen Drag Racing Ikonen, die sich bereits auf der Anreise zum Hockenheimring befinden, sehr freuen. Denn traditionell gelten die Public Race Days zugleich als Generalprobe für die NitrOlympX, die ein Wochenende später stattfinden.
Vom 07.-09. August treffen sich die schnellsten Piloten Europas um die 4te Runde der FIA Drag Racing Europameisterschaft und die zweite Runde der „FIM-Championsleague“ auszutragen.
Neben den „Big Boys“ werden auch wieder die unterschiedlichsten Sportsman Klassen auf die Strecke gehen um ihre Meister zu finden.

Die Sportsman – viele Klassen für sich

Hinter dem Begriff der Sportsman Starter verbirgt sich eine große Vielfalt an Fahrzeugen, die zwar nicht unter FIA oder FIM Prädikat fahren, deshalb aber nicht weniger interessant oder spektakulär sind. Hier finden sich ein paar echte Juwelen des Fahrzeugbaus und Tunings, deren Fahrer nicht mit weniger Herz und Engagement an ihren Fahrzeugen und deren Performance arbeiten.

Bei den Sportsman gehen bei den NitrOlympX 2015 fünf Auto- und drei Motorradklassen an den Start.

Die Competition Cars sind ein Pool verschiedenster Fahrzeugtypen und Motorisierungen. Damit eine gewisse Chancengleichheit gewahrt bleibt, werden die Autos nach dem Verhältnis von Gewicht, Hubraum und Aufladung klassifiziert. Der daraus ermittelten Kategorie ist ein Index zugeordnet. Der langsamere Index erhält am Start einen Zeitvorsprung. Die Competition Cars gehen dieses Jahr mit 10 Fahrern für ein 8er Feld ins Rennen. Da werden schon die Qualifikationsläufe zur harten Zerreißprobe. Im Feld dabei sind 5 deutsche Fahrer, unter ihnen der Vizechampion Robin Sattler, aber auch der Letztjahres-Gewinner René Meierhofer (CH). Auch der „Mörder-Audi“ A5 des Schweden Eklund sorgt für Unruhe im Vorfeld – Höchstspannung ist garantiert!

Die Super Pro ET´s, eine von zwei Indexklassen, sind seit 2010 am Hockenheimring am Start. Diese Fahrzeuge haben bei diesem Event einen selbst festgelegten Index zwischen 7:000 und 8:999 Sekunden. An diesen Index in den Rennen möglich hart ranzufahren ist das Ziel.
Mit bis jetzt schon 26 Startern aus Großbritannien, Italien, Frankreich, Schweiz, Tschechien und Deutschland wird es nicht leicht für die sechs deutschen Teilnehmer, aber spannend alle Mal. Besonders interessant werden wohl die Läufe von Gerhard Dold mit seiner Chevy Corvette, Stefan Eisenhauer mit dem 69er Camaro und Mario Thau mit seinem VW Polo! 2014 zeigten zwei deutsche „Index-Amazonen“ den Männern wie´s geht und machten das Finale unter sich aus. Jutta Winter mit ihrem Ford 5 Window ´34 musste sich nur Tereza Kucerikova mit ihrem 93er Spitzer Race Car geschlagen geben.

Super Comp – hier darf die Index-Zeit von 8:900 Sekunden nicht unterboten werden. Hier sind alle Fahrzeugtypen zugelassen, nur das Mindestgewicht ist, je nach Zylinderzahl unterschiedlich, vorgegeben. Neben anderen kann Gerd Habermann, der Onkel der „schnellen Top Methanol Brüder“ Dennis und Timo, sein Können hier unter Beweis stellen. Letztes Jahr seinem Kontrahenten René Kloss aus Ronneburg noch unterlegen, will er es dieses Jahr wieder wissen.

Super Gas – der Index liegt bei den „Gassern“ bei 9:900 Sekunden. Auch das Mindestgewicht ist vorgeschrieben. Zusätzlich zu diesen Vorgaben verlangt das Reglement die original Fahrersitz-position sowie funktionsfähige Türen. Somit sind Funny-Cars und Dragster nicht erlaubt. In dieser Klasse hat sich zum Jubiläum der letztjährige Super Comp-Sieger René Kloss eingetragen und es bleibt abzuwarten, ob er den starken Briten Paroli bieten kann.

Pro ET – ist die zweite Indexklasse, die 2010 auf der Rico-Anthes-Quartermile ihr Debüt feierte, und auf sich auf Anhieb eine große Fangemeinde „erfuhr“. Die Piloten legen für sich einen Index zwischen 9:000 und 11:999 Sekunden fest. Fünf Käfer, ein WolfsWankel-Hecktriebler, Gerd Habermann als BMW-Fahrer – das kann was werden!

Zu den Sportsman gehören auch die „Kleinen“, die hier auch schon ganz Großes leisten – die Junior Dragster. Die „Champions von Morgen“ sitzen in diesen 35PS starken Dragstern und erreichen damit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 120 km/h. Die Altersbegrenzung liegt zwischen 8 und 16 Jahren und die 29 „Junioren“ aus 7 Ländern freuen sich schon sehr auf DAS Highlight ihrer Rennsaison.

Die von ihrer Optik vielleicht etwas lustig aussehenden Funny Bikes sollten, was ihr Fahrverhalten anbelangt eher „Grumpy Bikes“ heißen. Sie sind eine von zwei Bikeklassen, die zwar nicht unter dem „FIM-Dach“ fahren, aber deshalb nicht minder spektakulär sind. Die Rahmen sind Spezialkonstruktionen, es darf Benzin oder Methanol getankt werden und die Leistung wird mit Kompressoren, Turboladern, Lachgas und Wheeliebars „verstärkt“. 2014 setzte sich Stefan „Hagi“ Hagenstein aus Stahnsdorf mit seiner Hayabusa denkbar knapp gegen seinen Landsmann Thomas Joswig im deutsch-deutschen Finale durch. Ob der Pokal auch dieses Jahr wieder nach Deutschland geht, wäre zu hoffen, aber auch die 7 anderen Nationen haben hervorragende Piloten ins Badische geschickt.

Die zweiten „Sportsman-Bikes“ sind die Super Twin Top Gas. Harley Davidson Zwei-Zylinder-Motoren dominieren hier – aber auch Ducatis, Hondas und Eigenbauten kommen zum Einsatz. Eine mechanische Aufladung durch Kompressor/Turbolader ist erlaubt und damit leisten diese Motoren etwa 400 PS. Die „Top Gasser“, die eine eigene Euro Serie ausfahren, reisen unter anderem mit dem Führenden der Meisterschaft, Frederick Schack aus Dänemark (auf Buell Harley ´04) und dem zweitplatzierten Niederländer Herman Jolink (auf Ducati RS ´03) an. Anzumerken hier ist, dass sich der bald 62-jährige Jolink zum Ziel gesetzt hat sich den Sieg in Hockenheim zum Geburtstag zu schenken. Obwohl dem „holländischen Top-Gas Urgestein“ das sicher jeder gönnen würde, werden die Gegner jedoch alles daran setzen, auf der legendären Rico-Anthes-Quartermile zu gewinnen.