Zum großen Saisonfinale der FIM-Drag-Racing-Europameisterschaft ging es am zweiten Septemberwochenende nach Santa Pod (GB). Die traditionsreiche Strecke wurde damit einmal mehr zum Schauplatz des letzten Rennwochenendes der Saison und zur finalen Gelegenheit für die europäische Drag-Racing-Elite, die Meisterschaftstitel endgültig zu sichern.

Doch am Sonntag machte das Wetter den Teams einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Die schwierigen Bedingungen ließen einen Start der Eliminations erst gegen 17:00 Uhr zu. Für die geplanten Finalläufe blieb damit keine Zeit mehr. Die Meisterschaftspunkte wurden daher anhand der Ergebnisse aus den tatsächlich gefahrenen Eliminationsrunden sowie der Qualifikation vergeben.

TOP FUEL BIKE

Nach seinem Sieg in Schweden und einem weiteren starken Auftritt bei den NitrOlympX reiste Luke Farrugia als Führender der Gesamtwertung in der Klasse Top-Fuel-Bike nach Santa Pod. Der maltesische Pilot hatte eine Saison mit beeindruckenden Geschwindigkeiten und Konstanz abgeliefert, darunter sein bemerkenswerter Lauf über 6,146 Sekunden bei den NOX.

Da Farrugia in der einzigen am Sonntag ausgetragenen Ausscheidungsrunde ausschied, rückten seine Konkurrenten in den Mittelpunkt. Jiri Lukes, Thomas Pettersson, Stuart Crane und Glenn Borg gewannen jeweils ihre ersten Duelle, bevor das wetterbedingt verkürzte Programm beendet wurde. Der letztjährige Champion, der leider im Mai tragisch verstorbene Rikard Gustafsson erzielte durch seinen Sieg zum Saisonauftakt immerhin noch mit 94 Punkten den sechsten Platz im Endklassement.

Obwohl er keinen weiteren Saisonsieg verbuchen konnte, erwies sich der in den vorangegangenen Rennen herausgefahrene Vorsprung für Farrugia als entscheidend. Mit 206 Punkten – 42 Zähler vor Thomas Pettersson (164 Punkte) – sicherte sich der Malteke den Europameistertitel 2026 in der Klasse Top-Fuel-Bike. Dank seiner starken Leistung in Santa Pod, die ihm 58 Punkte einbrachte, kletterte Stuart Crane mit insgesamt 137 Punkten auf den dritten Platz der Gesamtwertung. Deutsche Teilnehmer sind in dieser Klasse nicht vertreten.

SUPER TWIN BIKE

Die Meisterschaft in der Klasse Super Twin Bike wurde maßgeblich durch die herausragenden Resultate von Marcus Christiansen geprägt. Der Däne, der sowohl beim Saisonauftakt in England als auch in Schweden siegreich war, punktete auch bei den NitrOlympX stark – trotz des vorzeitigen (wetterbedingten) Abbruchs des Events.

In Santa Pod gingen Martin Bühler (CH) und Roman Sixta (CZE) als Sieger aus der ersten Ausscheidungsrunde hervor, bevor auch hier die Veranstaltung gestoppt wurde. Sixta holte mit 51 Punkten die höchste Ausbeute des Rennwochenendes, gefolgt von Bühler (42 Punkte) und Christiansen (34 Punkte).

Diese Ergebnisse gefährdeten Christiansens souveräne Führung in der Meisterschaft jedoch kaum. Der Däne beendete die Saison mit 249 Punkten und sicherte sich damit überlegen den Europameistertitel 2026 in der Klasse Super Twin Bike. Sein Landsmann Anders Jensen belegte mit 146 Punkten den zweiten Platz, obwohl er beim letzten Rennen keine Punkte sammelte, während Sixta dank seines starken Ergebnisses bei den European Finals in Santa Pod mit 129 Punkten auf den dritten Gesamtrang vorrückte. Der einzige deutsche Teilnehmer in dieser Klasse, der „Nitrohunter“ Christian Jäger, trat nur bei den NOX an, und wurde Elfter im Gesamtklassement.

PRO STOCK BIKE

Nur wenige Fahrer konnten auf eine derart dominante Meisterschaftssaison zurückblicken wie der Deutsche Jörg Lymant in der Klasse Pro Stock Bike. Nach Siegen bei den ersten beiden Rennen in Santa Pod und der Tierp Arena sowie weiteren 47 Punkten auf der Rico Anthes Quartermile reiste der Deutsche mit einem komfortablen Vorsprung zum Saisonfinale an.

Am Sonntag setzten sich der Brite Martin Newbury, Jörg Lymant (D) und Martin Bishop (UK) in ihren jeweiligen Duellen der ersten Eliminationsrunde durch. Lymant sammelte bei dieser Veranstaltung weitere 53 Punkte und lag damit knapp vor Newbury (52 Punkte) und Bishop (49 Punkte).

Dies war mehr als genug, um seine überragende Saison zu krönen. Lymant beendete die Meisterschaft mit 265 Punkten – ein beachtlicher Vorsprung von 120 Zählern auf den Zweitplatzierten Martin Bishop (145 Punkte). Karl-Heinz Weikum, der zweite deutsche Fahrer in dieser Klasse, der bereits bei den NitrOlympX zu den Spitzenreitern gehört hatte, komplettierte mit 99 Punkten das Spitzentrio der Meisterschaft. Mit dem Sieg in Pod holte sich Lymant den Europameisterschaftstitel zum dritten Mal in Folge in der Klasse Pro Stock Bike.

SUPER STREET BIKE

Der spannendste Titelkampf des Saisonfinales fand in der Klasse Super Street Bike statt. Daniël Donat Lencses (HUN) hatte den Auftakt in England gewonnen, woraufhin Jake Mechaell (GBR) mit einem Sieg in Schweden gekontert hatte. Bei den NitrOlympX kam es zu einer weiteren Verschiebung in der Gesamtwertung, als Alan Morrison (GBR) die höchste Punktzahl des Events erzielte; damit blieb die Entscheidung vor den Euro Finals weiterhin offen.

Lencses nutzte den entscheidenden Tag optimal: Er stockte sein Meisterschaftskonto um 63 Punkte auf und beendete die Saison mit insgesamt 328 Punkten. Der Grieche Ioannis Lampropoulos holte in Santa Pod 59 Punkte und schloss die Meisterschaft mit 305 Zählern als Vizemeister ab – nur 23 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter –, während der Brite Mechaell 57 Punkte sammelte und sich mit insgesamt 291 Punkten den dritten Gesamtrang sicherte. Nach einer Saison, in der er durchgehend zu den Titelanwärtern zählte, wurde Lencses zum zweiten Mal nach 2022 zum Super-Street-Bike-Europameister gekürt. Die deutschen Teilnehmer in dieser Klasse, Clemens „Wally“ Walleit und sein Sohn Ricardo Grauer schlossen die Meisterschaft auf den Rängen 14 und 17 (bei 27 Teilnehmern) ab. Österreichs  Erich Gruber wurde Zwanzigster.

JUNIOR DRAG BIKE CUP

Der junge Brite Harry Isaacs beendete die Meisterschaft in seiner Klasse mit 214 Punkten, gefolgt von seiner Landsfrau Leah Morrison (183 Punkte) auf dem zweiten und Hollie King (156 Punkte) auf dem dritten Platz. Damit sicherte sich Isaacs den Gesamtsieg im Junior Drag Bike Cup 2026.